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Ratgeber

Vier Klicks in die Schuldenfalle

"Jetzt kaufen, später zahlen" klingt harmlos – und ist beim Online-Shopping mittlerweile so selbstverständlich wie der Warenkorb-Button selbst. Doch Ratenkäufe ohne klassische Kreditprüfung führen gerade junge Menschen zunehmend in eine Verschuldung, die sich anders anfühlt als ein klassischer Kredit: unsichtbar, bis sie es nicht mehr ist.

DeinLotse Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Ein Kauf, der sich nicht wie ein Kredit anfühlt

Wer heute online einkauft, kennt den Moment an der Kasse: Neben der klassischen Zahlung per Karte oder Rechnung taucht eine Option auf, die verspricht, den Betrag in drei, vier oder mehr Raten zu begleichen – oft ohne sichtbare Zinsen, ohne Papierkram, mit einem einzigen zusätzlichen Klick. Buy Now, Pay Later, kurz BNPL, ist längst kein Nischenprodukt mehr, sondern in vielen großen Online-Shops die Standardoption direkt neben dem "Jetzt kaufen"-Button.

Das Grundprinzip unterscheidet sich technisch kaum von einem klassischen Ratenkredit. Psychologisch fühlt es sich aber völlig anders an. Ein Kredit bei der Bank ist ein bewusster, meist unangenehmer Vorgang: Formulare, eine Bonitätsprüfung, ein Beratungsgespräch, das Gefühl, eine große Entscheidung zu treffen. Ein Ratenkauf beim Online-Shopping ist dagegen in denselben Ablauf eingebettet wie der eigentliche Einkauf selbst – er wirkt nicht wie eine Kreditentscheidung, sondern wie eine Zahlungsoption unter mehreren.

Warum sich kleine Beträge zu einem großen Problem summieren

Das eigentliche Risiko liegt selten in einem einzelnen BNPL-Kauf. Ein Paar Schuhe in vier Raten zu bezahlen, bringt niemanden in eine Schuldenkrise. Problematisch wird es, wenn mehrere solcher Ratenkäufe bei unterschiedlichen Anbietern parallel laufen – und genau das ist strukturell begünstigt, weil die Anbieter untereinander in der Regel keine vollständige Übersicht über die Verpflichtungen bei der Konkurrenz haben. Wer bei drei verschiedenen Shops gleichzeitig auf Raten kauft, kann durch alle drei einzeln geprüft "unauffällig" bleiben, während die Summe der monatlichen Verpflichtungen längst nicht mehr zum eigenen Einkommen passt.

Verbraucherzentralen berichten seit einigen Jahren von einer wachsenden Zahl an Beratungsfällen, in denen BNPL-Verpflichtungen eine zentrale Rolle spielen – auffällig oft bei jungen Erwachsenen, die zum ersten Mal eigenständig wirtschaften und für die diese Zahlungsform oft der erste Kontakt mit einer Kreditverpflichtung überhaupt ist. Anders als bei einem klassischen Kredit fehlt hier häufig die Erfahrung, wie schnell sich mehrere kleine Verpflichtungen zu einer Summe addieren, die man an einem einzelnen Monatsende nicht mehr stemmen kann.

Was den Unterschied zum klassischen Konsumkredit ausmacht

Ein weiterer Punkt kommt hinzu: Verpasste Raten bei BNPL-Anbietern ziehen oft schneller Mahngebühren und den Übergang ins Inkasso nach sich als bei klassischen Bankkrediten, die tendenziell eher auf eine Nachverhandlung setzen. Wer eine Rate übersieht, merkt das mitunter erst, wenn bereits eine Mahnung mit zusätzlichen Kosten im Postfach liegt – bei einem Betrag, der ursprünglich vielleicht zweistellig war.

Das grundlegende Problem ist dabei kein individuelles Fehlverhalten, sondern ein Design-Problem: Die Zahlungsoption ist bewusst so gestaltet, dass sie so wenig wie möglich wie eine Kreditentscheidung wirkt – genau das macht sie wirksam als Verkaufsinstrument und zugleich riskant für alle, die noch keine Erfahrung mit der eigenen finanziellen Belastungsgrenze gesammelt haben.

Was hilft, bevor aus Raten ein Fall für die Schuldnerberatung wird

Der wirksamste Schritt ist erstaunlich simpel und wird trotzdem selten gemacht: eine eigene, ehrliche Übersicht über alle laufenden Ratenverpflichtungen, über alle Anbieter hinweg, an einem Ort. Wer merkt, dass diese Übersicht allein schon unangenehm ist, weil sie mehr Posten enthält, als man erwartet hätte, hat meist schon den wichtigsten Warnhinweis erhalten.

Wer bereits mehrere offene BNPL-Verpflichtungen hat und den Überblick verloren hat, muss damit nicht bis zur ersten Mahnung warten. Verbraucherzentralen bieten explizit auch Beratung zu Konsumschulden an, nicht nur zu klassischer Überschuldung – und gerade bei BNPL-Fällen lohnt sich frühes Handeln besonders, weil sich viele Anbieter bei rechtzeitigem Kontakt noch auf Ratenpausen oder angepasste Rückzahlpläne einlassen, solange der Fall noch nicht im Inkasso gelandet ist.

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